|
Frauen gewinnen, gerade auch im Fußball. Die Nationalmannschaft ist
aktueller Welt- und Europameister. Auch an der Basis stimmt die
Entwicklung. In den vergangenen fünf Jahren hat sich die Zahl der
Mädchenteams verdoppelt.
Um über die Gegenwart und Zukunftschancen zu diskutieren, hatte der
Deutsche Fußball-Bund (DFB) 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer für drei
Tage in die Mainzer Rheingoldhalle zum Frauen- und
Mädchenfußballkongress 2010 "Alles, außer Abseits!" eingeladen. Kurt
Beck, Ministerpräsident des Landes Rheinland-Pfalz, hatte die
Schirmherrschaft übernommen.
Auch Dagmar Freitag war nach Mainz als Gastrednerin gekommen. Seit
1994 sitzt die ehemalige Englisch-Lehrerin für die SPD im Deutschen
Bundestag, im vergangenen November wurde sie zur Vorsitzenden des
Sportausschusses gewählt. Und wenn der mitgliedsstärkste
Einzelsportverband einen dreitägigen Kongress zum Thema Frauen- und
Mädchenfußball veranstaltet, dann ist das für die 57-jährige Politikerin
schon so etwas wie eine Pflichtveranstaltung.
Frauen sollen Sport treiben, sagt Dagmar Freitag‚ "unfeminine"
Sportarten kennt sie nicht. Und auch in den Spitzenpositionen der
Verbände wünscht sie sich mehr Frauen. "Aber wir Frauen müssen uns diese
Positionen auch erobern wollen", sagt sie im DFB.de Gespräch der
Woche mit Onlineredakteur Thomas Hackbarth.
DFB.de: Frau Freitag, was ist denn mit dem alten Diktum
geschehen, dass Sport und Politik nichts miteinander zu tun haben?
Dagmar Freitag: Das war damals genauso falsch wie heute, denn
Politik und Sport haben reichlich Gemeinsamkeiten. Beide wirken in und
für die Gesellschaft, oft genug überschneiden sich die Zielsetzungen.
Mit Ausnahme des Fußballs erhalten die meisten Spitzensportverbände hohe
Zuwendungen vom Bund. Also schauen wir da auch genau hin. Oder lassen
Sie uns einen Blick zurück auf die WM in Südafrika werfen: In der
deutschen Mannschaft standen etliche junge Männer mit ausländischen
Wurzeln. Für uns Fans war das unsere Nationalmannschaft, die ein
großartiges Turnier gespielt hat. Die Frage der Herkunft der Spieler
spielte - wenn überhaupt - in der Diskussion eine positive Rolle. Auch
dieses Beispiel zeigt die gesellschaftspolitische Wirkung des Sports.
DFB.de: Wie zufrieden sind Sie mit der Gleichstellung der Frau
im Sport?
Freitag: Das Thema ist nicht neu. Sowohl der Deutsche
Olympische Sport-Bund als auch der DFB bemühen sich seit vielen Jahren
und durchaus mit steigendem Erfolg, Frauen dafür zu begeistern, sich
ehrenamtlich einzubringen. Ich möchte Frauen auch ausdrücklich
ermuntern, sich dafür zur Verfügung zu stellen. Der Status Quo ist
dennoch nicht zufriedenstellend. Im Geschäftsführenden Präsidium des
Deutschen Leichtathletik-Verbandes bin ich beispielsweise nach wie vor
die einzige Frau.
|